Eine biographie
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Die in den sowjetischen Zeitschriften zugänglichen Informationen wurden von Professor Kadar immer mit "subversiven" Zusätzen ergänzt, die wir faszinierend fanden. Er schloß immer die Tür des Klassenzimmers und öffnete die verbotenen Bücher. Die Institutsbibliothek war gut ausgestattet, dank der Fürsorge des Rektors Daniel Popescu, nur daß es schlicht verboten war, den Studenten gewisse Bücher auszuleihen. Erst im V. Studienjahr bekam ich vom Rektorat die Erkaubnis - da ich die besten Ergebnisse unter meinen Kommilitonen hatte - ein Album mit den Arbeiten von Brancusi auszuleihen. Die anderen mit kleineren Zensuren sind sofort im Lesesaal auf mich hergefallen, und konnten dadurch selbst aus der verbotenen Frucht kosten.
Professor Kadar, derein ausgezeichneter Pädagoge war, versuchte mich aus den - vielleicht zum Teil auch mir zuzuschreibenden - Zwängen der Disziplin zu befreien. Er überrumpelte mich einmal mit den Worten, ich hätte lieber ein katholischer Priester als Künstler werden sollen.
Ein anderes Mal, als ich auf das leere Zeichnungsblatt starrte, kam er zu mir, riß es runter und zertrat es mit den Füßen. Er meinte, ich bräuchte keine Angst vor dem blanken Blatt zu haben. Seine Erziehung zur Freiheit habe ich bis zum heutigen Tag nicht vergessen, denn ich weiß jetzt, daß ein Überschuß an Disziplin, Respekt, oder Traditionskult erhebliche Hindernisse im Wege des schöpferischen Handelns stellen können.
Meine letzte Begegnung mit Professor Kadar ereignete sich genau bei der Abschlußfeier vor dem Corvinus Haus, dem Rektorat. Ich konnte ihm somit für all das danken, was ich von ihm gelernt habe. Seine Antwort verblüffte mich. Er sagte, er hätte genau so viel von mir gelernt. Die Disziplin, die er mir vorwarf, fehlte ihm selbst und er strebte ihr nach... Kurze Zeit darauf nahm er sein Leben. Seine letzte Rebellion war damit zu Ende geführt.

 

 

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